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Standort Spanien

Kanzlei Frank D. Müller: Rechtsanwalt, Steuerberater, Wirtschaftsprüfung  SpanienStandort KATALONIEN

Der nachfolgende Artikel ist publiziert in der Länderschriftenreihe des Europäischen Wirtschaftsverlages

Standort KATALONIEN – Wirtschaft, Verwaltung, Rechts- und Gerichtssystem

I. Wirtschaft

1. Katalonien ist eine der 17 autonomen Gemeinschaften Spaniens und gilt infolge geschichtlicher und kultureller Besonderheiten neben dem Baskenland und der Region Galizien als eine der historischen autonomen Gemeinschaften.

Um dem Titel des Buches Rechnung zu tragen und die Stellung Kataloniens in Spanien aufzuzeigen gibt der Verfasser zunächst einige Daten zur insbesondere wirtschaftlichen Entwicklung Spaniens wieder.


1. Spanien


Im Verlauf der letzten beiden Dekaden erlebte Spanien einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Wichtige Impulse hierzu waren der Schritt in die Demokratie, der Beitritt zur EG im Jahre 1986 und die Teilnahme an der Wirtschafts- und Währungsunion. Spaniens Wirtschaft stand noch 2007 im vierzehnten Jahr ununterbrochenen Wachstums und zwar weiterhin deutlich über dem EU-Durchschnitt; nach einem Zuwachs von ca. 3,9 % in 2006 stieg im ersten Quartal 2007 das Bruttoinlandprodukt (BIP) gegenüber derselben Vorjahresperiode erneut um ca. 4%.

Eine Vielzahl international erfolgreich agierender Unternehmen sind aus diesem Wirtschaftsaufschwung hervorgegangen, wenn auch zu berücksichtigen ist, dass eine der tragenden Säulen dieses Aufschwungs der hohe Privatkonsum der Bevölkerung darstellt. So ist der Zuwachs der Verschuldung der Familien wesentlich höher als der Einkünfte. Das Verhältnis der eingegangenen Darlehensverpflichtungen zum Einkommen hat sich im Zeitraum vom Jahre 2000 bis zum Jahre 2007 von 70 % auf 127 % erhöht.

Während andere europäische Länder, so beispielsweise Deutschland als einer der wichtigen Handelspartner Spaniens nach der Wiedervereinigung 1990, ein nur schleppendes Wachstum vermelden und aufgrund Verstößen über Jahre die Bedingungen des Stabilitäts- und Wachstumspakts von Maastricht nicht erfüllen konnten, wies Spanien 2005 bei der Entwicklung des Haushaltssaldos gar einen Überschuss von 1,1 % des BIP auf und hat noch 2007 seit fünf Jahren in Folge einen ausgeglichenen Haushalt vorzuweisen.

Damit nahm Spanien bereits in 2006 unter den Industrienationen mit einem Bruttoinlandsprodukt von 967,9 Mrd. Euro den 8. Rang ein; das BIP pro Kopf lag bei 21.654 Euro.

Die Zahl der Arbeitslosen konnte in den letzten 10 Jahren vor 2008 mehr als halbiert werden und lag nur knapp über dem europäischen Durchschnitt. Nach einem rasanten Abbau von 24,2% im Jahr 1994 auf 10,5% im Jahr 2001 bei gleichzeitigem Anstieg der Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten von 11,7 Millionen auf 19,3 Millionen, lag die Arbeitslosenquote schließlich bei ca 8% und war damit Folge der erfolgreichsten Arbeitsmarktpolitik in der EU.

„España va bien“ (Spanien geht es gut, ein Ausspruch des früheren Ministerpräsidenten Aznar) wurde zum geflügelten Wort.

Mit der internationalen Öffnung der Märkte wurde insbesondere mit anderen EU-Staaten der wirtschaftliche Kontakt verstärkt, vor allem mit Frankreich und Deutschland.

Allerdings sind die bedeutendsten Wirtschaftssektoren traditionell der Tourismus und der Baubereich. Ersterer mit einer Besucherzahl von fast 61 Mio. im Jahre 2007, womit Spanien nach Frankreich zweit beliebtestes Tourismus-Ziel weltweit ist, letzterer in den vergangenen Jahren regelmäßig mit durchschnittlich 600.000 – 800.000 neuen Einheiten, womit mehr produziert wurde als beispielsweise in Deutschland, Frankreich und England zusammen und dies bei weniger als einem Viertel der Bevölkerungszahl dieser Länder.

Kritische Stimmen reklamieren daher seit Jahren die offensichtliche Überproduktion im Bausektor und warnten vor dem Platzen der sogenannten „Immobilienblase“ welche auch eine unaufhaltsame Steigerung der Preise zur Folge hatte. Aber auch die Politik konnte dem warmen Regen aus dem Füllhorn der Bauwirtschaft nicht widerstehen, zu verlockend war die Aussicht auf ständiges Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung.

So fand dann im Verlaufe des Jahres 2008 mit der weltweiten Krise dieser Aufschwung ein jähes Ende und die Immobilienblase platzte. Es kam zu Insolvenzen einer ganzen Reihe großer und namhafter Immobiliengesellschaften und zur Schließung von ca. 55.000 der ca. 80.000 Immobilienagenturen. Mit dem einhergehenden Wegbruch einer der beiden tragenden Säulen der Wirtschaft ist damit die Krise in Spanien deutlich spürbarer als in anderen europäischen Ländern. Die Investitionsbereitschaft ausländischer Unternehmen ist merklich zurückgegangen. Allerdings führte die Baukrise bereits in den letzten Monaten des Jahres 2008  zu deutlichen Senkungen der Wohneigentumspreisen, sondern auch zu solchen im unternehmerischen Bereich, wie bei Laden- und Bürolokalen, Lagerhallen etc.. Dies bietet damit bereits in 2009 neue Chancen für Investoren.

Aber auch in zahlreichen anderen Bereichen, so bspw. auf den relativ neuen Märkten der alternativen Energien bestehen solche Chancen. Dabei kann der Investor in Spanien auf in den Jahren nach dem EU-Beitritt und den Jahren des Baubooms geschaffene, herausragende Infrastruktur zurückgreifen.


2. Katalonien


Während in den europäischen Mitgliedsländern Katalonien als solches erst mit seiner Hauptstadt Barcelona als Austragungsort der olympischen Spiele ins Rampenlicht rückte, stellt Katalonien tatsächlich Spaniens erste Industrieregion dar und verfügt über 25% der gesamten spanischen Industriestruktur. In Katalonien werden etwa 19 % des spanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet bzw. ca. 27 % der Exporte Gesamtspaniens. Und dies obschon Kataloniens 6,8 Mio. Einwohner nur einem Anteil von ca. 16 % an der Gesamtbevölkerung Spaniens entspricht.

In den letzten zehn Jahren nahm das BIP Kataloniens im Durchschnitt um 3,5 % zu und liegt damit bei ca. der gleichen Rate wie das der Region Madrid.

Der Lebensstandard in Katalonien übertrifft den Gesamtspaniens bei weitem. Das katalanische BIP pro Kopf lag schon in 2006 mit 21.219 Euro zwei Prozentpunkte über dem Alt-EU-Durchschnitt und 14 Prozentpunkte über dem Spaniens.

Besonders stark sind die metallverarbeitende, die chemische und die Textilindustrie sowie die Lebensmittelindustrie, die in den letzten Jahren hohe Wachstumsraten verzeichnet hat.  Kataloniens Export umfasst eine breite Palette an Fertigprodukten: Automobile, Chemieprodukte, Zement, u. a.. Besondere Beachtung verdient aber auch hier der Bereich Tourismus, der nach wie vor und auch infolge des postolympischen Effektes weiter wächst.

Bei den durchschnittlichen Prokopf-Einkommen liegt Katalonien unter den Spitzenverdienern Spaniens. Nur in Madrid Ceuta und Melilla verdient man mehr.

Die Arbeitslosenquote lag in Katalonien im Jahre 2007 mit ca 6% deutlich unter dem spanischen Mittelwert.

Von allen 17 autonomen Regionen zeigt Katalonien im Außenhandel die intensivste Verflechtung mit den neuen EU- Mitgliedsländern und erwirtschaftet mit dem Ausland den größten Überschuss aller spanischen Regionen.

Für Ansiedelungen von Niederlassungen ausländischer Unternehmen stellt Katalonien mit seiner dynamischen Hauptstadt Barcelona wohl eine der attraktivsten Regionen in Europa dar.

Hauptinvestoren sind insbesondere der europäische Nachbar Frankreich, Deutschland, die Niederlande und
Italien, aber auch die nordamerikanischen Investoren aus Kanada und den USA. Mit über 60% fließt dabei der größte Teil der Investitionssumme in den Dienstleistungsbereich, während im Industriesektor ein Drittel der Gesamtsumme investiert wird.

Katalonien war noch 2007 die europäische Region mit der zweitgrößten Zahl an Investitionsprojekten und konnte sich damit in den letzten Jahren ständig verbessern. Lediglich im Großraum London wurden mehr Investitionsprojekte realisiert.

In Katalonien sind mehr als 3.000 ausländische Unternehmen tätig. Circa 34 % der ausländischen Unternehmen in Spanien haben ihre Niederlassung oder ihre Hauptaktivität in Katalonien.

Mehr als die Hälfte der japanischen, französischen, deutschen, italienischen, holländischen und amerikanischen Firmen mit Niederlassung in Spanien haben ihren Sitz in Katalonien, davon ca. 90 % in Barcelona. Von der Gesamtzahl der Unternehmen französischen Kapitals sind 61,7 % in Katalonien ansässig (1.142 Spanien, davon 705 in Katalonien), von der Gesamtzahl der Unternehmen deutschen Kapitals sind 60,8 % in Katalonien ansässig (853 Spanien, davon 519 in Katalonien), von der Gesamtzahl der Unternehmen nordamerikanischen Kapitals sind 60,1 % in Katalonien ansässig (664 Spanien, davon 399 in Katalonien). Ca. 80 % dieser ausländischen Niederlassungen sind mehr als 10 Jahre in Katalonien ansässig. Ca. 75 % dieser Unternehmen siedelten sich mittels Neugründungen an, ca. 25 % im Wege des Unternehmenskaufes.

Der Grad der Zufriedenheit der Entscheidung hinsichtlich des Ortes der Ansiedelung beträgt nach Umfrage bei den Investoren bei ca. 97 %.

Im Healey & Baker’s European Cities Monitor lag Barcelona in den letzten Jahren auf Rang 6 der attraktivsten europäischen Unternehmensstandorte und damit noch einen Platz vor Madrid.

 

 

 

 

 

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